Ihre Konstruktionsanleihen
am Bayerischen BMW-Boxer sind unübersehbar. Mit Propeller-Wapperl
geschmücktem Tank könnten die Kräder von DNEPR
und URAL jedem Halbwissenden als echter BMW-Oldtimer angedreht
werden.
So oder so, die „Taiga-BMWs“ entsprechen dem Trend.
Nackt und klassisch sind sie allemal, mit grobschlächtigem
Motorguss und einer technischen Anmutung wie sie allenfalls
noch im Bereich erdverbundener Agrartechnik auszumachen ist,
verbannt ihre motorradartige Wahrhaftigkeit jeden Lifestyle-Klassiker
vom Schlage einer Harley-Davidson zum weichgespülten
Donnerbolzen für Freizeit-Rocker mit Bausparvertrag.
Für hiesige Verhältnisse
unglaublich günstige Preise führen häufig zu
Spontankäufen. Etwa dann, wenn auf einem Veteranenmarkt
plötzlich ein nagelneues URAL-Gespann für schlappe
1200,00 EUR auftaucht.
Meistens ist dasselbe Gespann wenig später für VB
1199,00 EUR im lokalen Anzeigenteil oder im Ebay wiederzufinden.
Grund: Kaufen und Zulassen
der russisch-/ukrainischen Dreiräder stellt nur im ersten
Punkt kein Problem dar. Bei der Zulassung aber kommt das Erwachen
des stolzen Besitzers. Neben der allgemeinen Fahrzeugprüfung
durch einen amtlich anerkannten Sachverständigen (TÜV,
DEKRA) werden Gutachten für Motorleistung, Geräusch
und vor allem Abgas gefordert. Folgekosten türmen sich
auf, die den Schnäppchenpreis bei weitem überflügeln
können.
Quer durch die Republik haben sich mittlerweile Händler
etabliert, die sich auf das Spiel mit den russischen Maschinen
einlassen.
Im baden-württembergischen
Mühlhausen geht man einen anderen Weg. Bei Brett-ef-tech
findet der Interessent Boxer-Gespanne von DNEPR und URAL in
Teilen / Scheiben oder auch am Stück.
Ganz aktuell ist das Lastendreirad WORKHORSE von URAL und
das DNEPR-Lastendreirad P300.
Als technisches Unikum dürften die Pritschen-Dreiräder
hierzulande gute Marktchancen haben. Um die 5.500,00 EUR inklusive
TÜV soll ein P 300 kosten.
Das Workhorse ca. 8.900,00 EUR - ebensoviel wie ein Ural-
oder Dnepr-Gespann.
Brett-ef-tech`s Russen-Philosophie klingt einleuchtend: „
Für die meisten Käufer ist eine URAL oder DNEPR
nur dann interessant, wenn die Preise günstig bleiben.
Wir sehen die Serienmaschinen penibel durch und machen dem
Käufer klar, dass er bereit sein muss, ein technischen
Abenteuer in Kauf zu nehmen.“. Tatsächlich sind
die Russen-Räder von westlichem Verarbeitungsstandard
Lichtjahre entfernt. Bockige Gabeln oder schwergängige,
mäßig wirkende Bremsen sind Standard. Selbst in
der „edlen“ Export-Ausführung sind messerscharfe
Kanten am verarbeiteten Blech, schludrig verlegte Kabel und
eine seltsame Mischung aus einwandfreien und lausigen Schweißnähten
auffällig. Gemeinsam haben DNEPR und URAL den Viertakt-Boxer-Motor
mit 649 ccm Hubraum nach BMW-Vorbild. Die Leistungen der unterschiedlich
aufgebauten Motoren bewegen sich bei 32 PS (Dnepr) und 33
PS (Ural). Die Maschinen fügen sich also in die günstige
34 PS-Versicherungsklasse ein.
Beide Fabrikate verwöhnen den Gespannfreund beim Rangieren
mit einem Rückwärtsgang. Das angetriebene Seitenwagenrad
mit Differential gibt’s aber nur bei der DNEPR MT 16.
Dafür kann die URAL mit geschobener Vorderradschwinge,
sowie mit zuschaltbarem Seitenwagenantrieb geordert werden.
Weiterer Vorteil der Ural sind die ungekröpften Speichen.
Sie sind weniger bruchanfällig als die gekröpften
Versionen des DNEPR-Gespannes. Überhaupt zeigte die bisherige
Erfahrung, das im URAL-Werk eine konstantere Fertigungsqualität
geboten wird als von den Kollegen bei DNEPR.
Jochen Brett weiß von mancher DNEPR oder auch URAL,
die bereits auf der ersten Kontrollfahrt noch in Sichtweite
zur Werkstatt mit kapitalem Motorschaden das Handtuch warf.
„Ein bisschen Russisch Roulett ist eben dabei“,
meint Brett.
Frei nach dem Sprichwort aus
der RUBO Liste ->
„wenn jede 1000ste Dnepr passt ist es auch eine 1000stel
Passung“ ;-))