Das
Museum befindet sich im ersten Stock des ältesten und ersten
Werksgebäudes.
Es ist ca. 100 Jahre alt und war ursprünglich eine
alte Brauerei.
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Die
Ausstellung ist in drei Räumen dicht gedrängt
untergebracht.
Im
Eingangszimmer stehen auf einer Fläche von zirka
250 m2 im Halbdunkel 25 Gespanne und fünf Solomaschinen
für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete
a) Der Export-Manager,
b) der Leiter des Musterbaus und
c) ein ehemaliger Rennfahrer, der um 1960 herum
mit einem Königswellen - Gespann unterwegs war.
Aus ihren Erzählungen
klingt der Stolz über die Vergangenheit heraus, aber
auch Wehmut darüber, dass sich niemand so richtig um
die Firmenhistorie kümmert und einzelne Exponate im
Lauf der Jahre schon mal unbemerkt verschwinden können..
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(Hier ein Beispiel
von einem
M72-Gespann aus Deutschland) |
Kurzgeschichte:
1941 zog das zwei Jahre
zuvor gegründete Werk für Militärmotorräder
von Moskau nach IRBIT, um Schutz vor deutschen Angriffen
zu finden.
Als Ende der fünfziger Jahre ein zweites Werk in KIEW
(später unter dem Namen DNEPR
bekannt) gegründet wurde,um die Versorgung
des Militärs sicherzustellen, verschob sich in IRBIT
allmählich die Produktionspalette hin zu zivilen Fahrzeugen.
Bezeichnet
oder katalogisiert ist hier nichts, so dass wir auf die
Auskünfte der drei anwesenden Werksangehörigen
angewiesen sind:
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Gleich vorn rechts
stehen die olivgrünen Begründer der Russenboxer-Tradition:
ein M72-Gespann aus den Vierzigern (eine
Kopie der BMW R71) und ein namenloses Gespann aus
den Urzeiten des Werks (evtl. sogar noch aus Moskau), das
mit angetriebenen Seitenwagenrad, 2-in-1 Auspuffanlage und
untersetzem Getriebe der R 75 bzw. Zündapp K 750 entspricht. |
Nach der Sektion "seitengesteuert" folgt im Halbdunkel des
Raums die Abteilung "SechsVoltPower", danach ein ziemlich
hässliches mintgrünes/dunkelblau lackiertes Unikat
mit 16" Fahrwerk.
Die
Wände sind mit Abbildungen von Werksrennfahrern
und Designstudien
geschmückt.
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Am anderen Ende
der Reihe steht eine Seltenheit aus KIEW: Eines von 200 Gespannen
für die Moskauer Staatspolizei gebauten DNEPR-Gespanne
aus den Siebzigern - mit E-Starter und Bing-Vergaser. |
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Ein
Stückchen weiter entdecken wir eine Straßenrennmaschine
von 1962 mit einer für die damalige Zeit typischen,
orangenen Halbschalenverkleidung und Königswellenmotor.
Direkt daneben zeigt ein Gespann aus den Achtzigern seine
Gußräder. Diese Räder wurden nicht lange
produziert, da sie sich als wenig haltbar und in der Herstellung
zu teuer erwiesen. |
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| Daneben
gruppieren sich vier Wettbewerbsgespanne. Das erste besitzt
eine Vorderradschwinge und wurde für den Moto-Cross-Einsatz
gebaut. Die anderen drei sind reine Strassenrenner, einer
sogar mit Königswellenmotor.
In der mittleren Reihe
sehen wir unter anderem das Model "Teknesis"
mit rotem Stern auf weisser Beiwagenschnauze. Bemerkenswert
ist der klobige GFK-Beiwagen, dessen Oberteil zum Ein- und
Aussteigen nach vorne geschoben wird.
Daneben fallen noch diverse Seitenwagen-Ausführungen
auf, die hauptsächlich zu Studienzwecken angefertigt
wurden.
Ein paar von ihnen wanderten
aber auch - auf welche Weise auch immer - "unter das Volk".
Im offiziellen Verkauf blieb es immer bei der altbekannten
Form. Auch an der Rahmenkonstruktion hat sich kaum etwas geändert.
Die Gemischaufbereitung
wurde hingegen im Lauf der Jahrzehnte verbessert. Die DellOrto-ähnlichen
Flachschiebervergaser K63 / K64 sind neueren Datums, sie wurden
in den Siebzigern verbaut. Seit ein paar Jahren gibt es zusätzlich
Jikov-Vergaser, die günstigere Abgaswerte ermöglichen. |
Die
Ural-Motoren
| In einem weiteren
Raum werden vor allem Motoren ausgestellt! Weiter versammeln
sich hier Boxer mit Gebläse-, Wasser- und Luftkühlung
mit Königswellen-Ventiltrieb, mit vier
Ventilen pro Zylinder und sogar ein Vierzylinder-Boxer ist zu
bewundern. |
An
den Wänden drängen sich neben- und übereinander
insgesamt 44 Kuriositäten; darunter auch unverblümte
Kopien anderer Hersteller. |
4-Ventil-Kopf
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Wir sehen zum Beispiel
einen Vierzylinder "Sternmotor" für
ein kleines Flugzeug, der wegen des zu hohen Gewichts nie
in Serie ging. |

Ein Rotationskolben- Motor
à la Wankel, der neben einem aufgeladenem Triebwerk
mit Drehkolbenverdichter hängt. |
Die linke Wand wird von der ersten
wasser-gekühlten Ural mit Scheibenbremse (1984) geziert. |
Königswellen
- Motor
Detail
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Kopfdetail
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Königswellen
- Motor |
| Viele
dieser Motoren kamen über den Prototypen-Status nie
hinaus. "Früher konnten wir alles bauen - durften aber
nicht. Heute dürfen wir alles bauen - können aber
nicht" höre ich den ehemaligen Rennfahrer resigniert
sagen.
Eine gewisse Bewunderung
für bayerische Produkte zeigt sich in der Ural-Kopie
eines gebläsegekühlten 700er BMW-Motors für
einen Kleinwagen von 1967 (direkt daneben steht das Original
zum Vergleich) und einem K100-Nachbau.
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URAL-Motor 750ccm
seitengesteuert mit Gebläsekühlung (Einbau in
Kleinautos) mit E-Starter und Magnetzündung.
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Im
dritten Raum versammeln sich, noch viel dichter zusammengepfercht
als die Ural-Modelle, mehr als 20 Motorräder aus aller
Herren Länder.
Sie dienten wohl als Anschauungsobjekte. Neben einer BMW K 100
RT sehen wir zu unserer Freude auch viele schöne Veteranen:
Triumph, AJS , Norton, HRD Vincent Black Shadow, Ariel Square
Four, Harley-Davidson, MotoGuzzi V7 Special, NSU
und natürlich BMW R 71. |

eine "echte" Harley - Davidson |
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Die
Testabteilung
Im
unteren Stock dieses Gebäudes befindet sich die Testabteilung.
Zunächst besichtigen wir die beiden Motorenprüfstände.
Die Grundsubstanz des einen Prüfstandes stammt noch aus
der Gründerzeit des Werkes (1939).
Geprüft werden darauf Drehmoment, Leistung, Benzinverbrauch
und die Zündung.
Seit 4 Jahren werden die dolimentierten Meßwerte auch
in den Computer eingegeben und ausgewertet.
Erst
1980 wurde ein neuer Prüfstand angeschafft (gute Ost-Deutsche-Wertarbeit).,
der zusätzlich auch Temperaturen messen kann und direkt
mit dem Computer verbunden ist. Auf diesem Prüfstand
können einprogrammierte Fahrzykeln abgefahren werden.
Der
Bremsen- und Reifenprüfstand besteht aus einem Gespann-Fahrwerk
mit Tank und Boot, das auf drei Antriebs- bzw. Bremsrollen
steht. Das Fahrwerk wird an der Hinterachse und am Beiwagenrahmen
festgehalten. Geprüft wird bei Geschwindigkeiten bis
60 km/h.
Der
Stoßdämpfer-Tester könnte ohne Probleme einem
Museum entliehen sein. Immerhin sind aber
- wie auch an allen weiteren Prüfständen - alle
sich bewegenden Teile rot angestrichen!!
Schließlich
wird uns noch das Testgerät für Kupplungsscheiben
und Beläge sowie eine Vibrations-Testeinrichtung vorgeführt.
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nach diesem
Schauspiel werden wir in die Prototypenwerkstatt geführt,
in der einige Unikate auf unsere erstaunten Blicke warten.
Genau wie andere traditionsreiche Motorradhersteller wurden
auch bei URAL nicht nur Motorränder konstruiert, sondern
auch beispielsweise ein Lastendreirad mit Ballon-Reifen und
Seilwinde auf der Schnauze oder ein Klein-PKW mit über
einen URAL-Motor angetriebenen Hinterrädern.
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Lastendreirad |

Prototyp eines
"Knicklenkers" |
geländegängiges Lastendreirad mit
Ballonreifen |
Prototyp
des URAL-Seitenwagenantriebs
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Ein Katalysator made in IRBIT!
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Ein paar Mechaniker
basteln gerade an den neuen Solomodellen "Voyage"
und "Wolf" herum, beides Chopper mit 750-Kubik-Boxer.
Wirkt die Voyage auf westliche Augen ziemlich "gewollt und
nicht gekonnt", so kann die Wolf schon eher überzeugen.
Kein Wunder: Sie entstand unter Mitwirkung der Moskauer
"Night Wolfes", des grössten russischen Motorradclubs.
Auch die
neue "Voyage", ein Chopper mit luftgekühltem 750 ccm-Motor,
der bereits in Vorserie gefertigt wird, hat im Museum seinen
Platz gefunden. |

COBRA |

VOYAGE
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Klick auf Bild
WOLF |
| Schade,
dass dieses einzigartige Museum so vernachlässigt wird.
Obwohl Ural auch bei den neuen Modellen auf altbewährte
Technik zurück greift und obwohl neue Modelle bereits den
Beinamen "Classic" erhalten, noch bevor sie jemals modern waren,
fehlt es offenbar an der einzig "richtigen" Stelle im Werk an
Traditionsbewußtsein. Aber auch hier wird wohl eine Änderung
lange auf sich warten lassen. |

Anmerkung:
Text: ef-tech, Bildmaterial teilweise der Reiseteilnehmer
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