Dnepr und Ural

 

Das Uralmuseum
- auf jeden Fall einen Besuch wert -


 
Das Museum befindet sich im ersten Stock des ältesten und ersten Werksgebäudes.
Es ist ca. 100 Jahre alt und war ursprünglich eine alte Brauerei.

 

 

Das Museum

Krieg 1942

 

Die Ausstellung ist in drei Räumen dicht gedrängt untergebracht.

Im Eingangszimmer stehen auf einer Fläche von zirka 250 m2 im Halbdunkel 25 Gespanne und fünf Solomaschinen für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete

 

 

 

 

a) Der Export-Manager,
b) der Leiter des Musterbaus und
c) ein ehemaliger Rennfahrer
, der um 1960 herum mit einem Königswellen - Gespann unterwegs war.

Aus ihren Erzählungen klingt der Stolz über die Vergangenheit heraus, aber auch Wehmut darüber, dass sich niemand so richtig um die Firmenhistorie kümmert und einzelne Exponate im Lauf der Jahre schon mal unbemerkt verschwinden können..  --->

 

 

 

(Hier ein Beispiel von einem
M72-Gespann
aus Deutschland)



Kurzgeschichte:

1941 zog das zwei Jahre zuvor gegründete Werk für Militärmotorräder von Moskau nach IRBIT, um Schutz vor deutschen Angriffen zu finden.
Als Ende der fünfziger Jahre ein zweites Werk in KIEW (später unter dem Namen DNEPR bekannt) gegründet wurde,um die Versorgung des Militärs sicherzustellen, verschob sich in IRBIT allmählich die Produktionspalette hin zu zivilen Fahrzeugen.   

 

Bezeichnet oder katalogisiert ist hier nichts, so dass wir auf die Auskünfte der drei anwesenden Werksangehörigen angewiesen sind: 
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Gleich vorn rechts stehen die olivgrünen Begründer der  Russenboxer-Tradition: ein M72-Gespann aus den Vierzigern (eine Kopie der BMW R71) und ein namenloses Gespann aus den Urzeiten des Werks (evtl. sogar noch aus Moskau), das mit angetriebenen Seitenwagenrad, 2-in-1 Auspuffanlage und untersetzem Getriebe der R 75 bzw. Zündapp K 750 entspricht. 

Nach der Sektion "seitengesteuert" folgt im Halbdunkel des Raums die Abteilung  "SechsVoltPower", danach ein ziemlich hässliches mintgrünes/dunkelblau lackiertes Unikat mit 16" Fahrwerk.
Gespann grün 
   Die Wände sind mit Abbildungen von    Werksrennfahrern und Designstudien
   geschmückt.
 
russia
Am anderen Ende der Reihe steht eine Seltenheit aus KIEW: Eines von 200 Gespannen für die Moskauer Staatspolizei gebauten DNEPR-Gespanne aus den Siebzigern - mit E-Starter und Bing-Vergaser.
renn1

Ein Stückchen weiter entdecken wir eine Straßenrennmaschine von 1962 mit einer für die damalige Zeit typischen, orangenen Halbschalenverkleidung und Königswellenmotor. 
Direkt daneben zeigt ein Gespann aus den Achtzigern seine Gußräder. Diese Räder wurden nicht lange produziert, da sie sich als wenig haltbar und in der Herstellung zu teuer erwiesen.

Strassenrennmaschine

Daneben gruppieren sich vier Wettbewerbsgespanne. Das erste besitzt eine Vorderradschwinge und wurde für den Moto-Cross-Einsatz gebaut. Die anderen drei sind reine Strassenrenner, einer sogar mit Königswellenmotor.

In der mittleren Reihe sehen wir unter anderem das Model "Teknesis" mit rotem Stern auf weisser Beiwagenschnauze. Bemerkenswert ist der klobige GFK-Beiwagen, dessen Oberteil zum Ein- und Aussteigen nach vorne geschoben wird.
Daneben fallen noch diverse Seitenwagen-Ausführungen auf, die hauptsächlich zu Studienzwecken angefertigt wurden.

Ein paar von ihnen wanderten aber auch - auf welche Weise auch immer - "unter das Volk". Im offiziellen Verkauf blieb es immer bei der altbekannten Form. Auch an der Rahmenkonstruktion hat sich kaum etwas geändert.

Die Gemischaufbereitung  wurde hingegen im Lauf der Jahrzehnte verbessert. Die DellOrto-ähnlichen Flachschiebervergaser K63 / K64 sind neueren Datums, sie wurden in den Siebzigern verbaut. Seit ein paar Jahren gibt es zusätzlich Jikov-Vergaser, die günstigere Abgaswerte ermöglichen.



Die Ural-Motoren

In einem weiteren Raum werden vor allem Motoren ausgestellt! Weiter versammeln sich hier Boxer mit Gebläse-,  Wasser- und Luftkühlung mit Königswellen-Ventiltrieb, mit vier Ventilen pro Zylinder und sogar ein Vierzylinder-Boxer ist zu bewundern.

 

mot-wandAn den Wänden drängen sich neben- und übereinander insgesamt 44 Kuriositäten; darunter auch unverblümte Kopien anderer Hersteller. 
4-ventil   

4-Ventil-Kopf

 

 

 

 

Prototyp eines Flugzeugmotors - er war vieel zu schwer!

Wir sehen zum Beispiel einen Vierzylinder "Sternmotor" für ein kleines Flugzeug, der wegen des zu hohen Gewichts nie in Serie ging.

wankel
Ein Rotationskolben- Motor à la Wankel, der neben einem aufgeladenem Triebwerk mit Drehkolbenverdichter hängt.
Ural m. Scheibenbremse Die linke Wand wird von der ersten wasser-gekühlten Ural mit Scheibenbremse (1984) geziert.
Königswellen-Motor

Königswellen - Motor 
Detail

 

 

KopfdetailKopfdetail

Königswellen-Motor

Königswellen - Motor

1000 ccm- Motor
1000ccm-Motor
Motor
Motor

Viele dieser Motoren kamen über den Prototypen-Status nie hinaus. "Früher konnten wir alles bauen - durften aber nicht. Heute dürfen wir alles bauen - können aber nicht" höre ich den ehemaligen Rennfahrer resigniert sagen.

Eine gewisse Bewunderung für bayerische Produkte zeigt sich in der Ural-Kopie eines gebläsegekühlten 700er BMW-Motors für einen Kleinwagen von 1967 (direkt daneben steht das Original zum Vergleich) und einem K100-Nachbau.

mot-luft 
URAL-Motor 750ccm seitengesteuert mit Gebläsekühlung (Einbau in Kleinautos) mit E-Starter und Magnetzündung.


Im dritten Raum versammeln sich, noch viel dichter zusammengepfercht als die Ural-Modelle, mehr als 20 Motorräder aus aller Herren Länder.
Sie dienten wohl als Anschauungsobjekte. Neben einer BMW K 100 RT sehen wir zu unserer Freude auch viele schöne Veteranen: Triumph, AJS , Norton, HRD Vincent Black Shadow, Ariel Square Four,  Harley-Davidson, MotoGuzzi V7 Special, NSU und natürlich BMW R 71.
harley1

eine "echte" Harley - Davidson
harley2

Die Testabteilung

Im unteren Stock dieses Gebäudes befindet sich die Testabteilung. Zunächst besichtigen wir die beiden Motorenprüfstände. Die Grundsubstanz des einen Prüfstandes stammt noch aus der Gründerzeit des Werkes (1939).
Geprüft werden darauf Drehmoment, Leistung, Benzinverbrauch und die Zündung.
Seit 4 Jahren werden die dolimentierten Meßwerte auch in den Computer eingegeben und ausgewertet.

Erst 1980 wurde ein neuer Prüfstand angeschafft (gute Ost-Deutsche-Wertarbeit)., der zusätzlich auch Temperaturen messen kann und direkt mit dem Computer verbunden ist. Auf diesem Prüfstand können einprogrammierte Fahrzykeln abgefahren werden.

Der Bremsen- und Reifenprüfstand besteht aus einem Gespann-Fahrwerk mit Tank und Boot, das auf drei Antriebs- bzw. Bremsrollen steht. Das Fahrwerk wird an der Hinterachse und am Beiwagenrahmen festgehalten. Geprüft wird bei Geschwindigkeiten bis 60 km/h.

Der Stoßdämpfer-Tester könnte ohne Probleme einem Museum entliehen sein. Immerhin sind aber - wie auch an allen weiteren Prüfständen - alle sich bewegenden Teile rot angestrichen!!

Schließlich wird uns noch das Testgerät für Kupplungsscheiben und Beläge sowie eine Vibrations-Testeinrichtung vorgeführt.


Die Prototypen-Werkstatt

nach diesem Schauspiel werden wir in die Prototypenwerkstatt geführt, in der einige Unikate auf unsere erstaunten Blicke warten.  Genau wie andere traditionsreiche Motorradhersteller wurden auch bei URAL nicht nur Motorränder konstruiert, sondern auch beispielsweise ein Lastendreirad mit Ballon-Reifen und Seilwinde auf der Schnauze oder ein Klein-PKW mit über einen URAL-Motor angetriebenen Hinterrädern.

 

Lastendreirad
Lastendreirad
Knicklenker
Prototyp eines
"Knicklenkers"
Lastendreirad
geländegängiges Lastendreirad mit Ballonreifen
Ural-Seitenwagenatrieb PrototypPrototyp des URAL-Seitenwagenantriebs   dnepr-ural prototyp
Prototyp eines Catalysators
Ein Katalysator made in IRBIT!

Ein paar Mechaniker basteln gerade an den neuen Solomodellen "Voyage" und "Wolf" herum, beides Chopper mit 750-Kubik-Boxer. Wirkt die Voyage auf westliche Augen ziemlich "gewollt und nicht gekonnt", so kann die Wolf schon eher überzeugen. Kein Wunder: Sie entstand unter Mitwirkung der Moskauer "Night Wolfes", des grössten russischen Motorradclubs.

Auch die neue "Voyage", ein Chopper mit luftgekühltem 750 ccm-Motor, der bereits in Vorserie gefertigt wird, hat im Museum seinen Platz gefunden.

Cobra
        COBRA
Voyage
         VOYAGE

Klick auf BildUral-Wolf - press picture!!!

WOLF

Schade, dass dieses einzigartige Museum so vernachlässigt wird. Obwohl Ural auch bei den neuen Modellen auf altbewährte Technik zurück greift und obwohl neue Modelle bereits den Beinamen "Classic" erhalten, noch bevor sie jemals modern waren, fehlt es offenbar an der einzig "richtigen" Stelle im Werk an Traditionsbewußtsein. Aber auch hier wird wohl eine Änderung lange auf sich warten lassen.
Brett-ef-tech-logo
Anmerkung: Text: ef-tech, Bildmaterial teilweise der Reiseteilnehmer


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