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Montag,
16.4.2007
Montag morgen, 7.00Uhr. Mein Moped beantwortet den Druck auf den Anlasser mit einem freundlichen „KLICK“. Batterie leer, da hab ich wohl zuviel mit der Navi gespielt. Also vom Auto etwas Strom geliehen, das Moped angelassen und los geht`s. Als ich dann bei Helmstedt getankt habe, falle ich fast aus den Schuhen. Der hintere untere Beiwagenanschluss ist gebrochen. Das kann doch nicht sein, soll die Reise hier schon zu Ende sein? Runter von der Autobahn, rein nach Helmstedt und irgendeine Metallbauerbude suchen. Vielleicht ist ja noch was zu retten. Das erste was ich sehe, ist ein Suzukihändler, also anhalten. Das erste, was er sagt ist „Aprilia? Haha“ Ich erkläre im dann mein Problem , und erhalte die erwartete Auskunft: Er könne da nichts machen. Es gäbe auch keine Metallbauer in Helmstedt. Nach einer kurzen Diskussion kramt er dann doch sein Schweißgerät raus, zieht `nen Edelstahldraht ein und schweißt den Anschluss wieder zusammen. |
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Nach einer Kaffee-
und Abkühlpause schrauben wir alles wieder zusammen und die
Reise geht weiter. Nach einigen Telefonaten mit Jochen Brett ist
auch ein Ersatz für das geschweißte Teil organisiert,
das Larissa nächste Woche mit nach Moskau bringt.
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| Was für ein Tag. Der Rest des Weges bis Warschau geht unkompliziert; einfach Abreißen von Kilometern. | |||||||||||
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Dienstag, 17.4
Der nächste Morgen ist viel versprechend: Die Sonne scheint, es ist warm, die 2 Zylinder brummen unter mir und nach 2 Stunden ist die Grenze nach Weißrussland erreicht. |
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Jede Menge Kleinlaster und PKW`s stehen vor mir, und die Grenzer streiten sich wer mich abfertigen darf. Der langen Rede kurzer Sinn: Nach 2 Stunden rolle ich wieder. Die M1 Richtung Moskau ist wider erwarten gut, ich fahre konstante 120 und halte nur für die üblichen Pausen: Benzin, Nikotin, Koffein. |
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Um
9Uhr (deutsche Zeit!) erreiche ich die russische Grenze. Die Ausreise
aus Weißrussland ist einfach: Pass zeigen, dann die Auforderung
5 Euro in bar abzugeben. Wofür? Na, dafür, das ich weiterfahren
kann ! Keine weiteren Fragen, zahlen und weiter. |
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| Kurz und gut: nach nur 3 Stunden kann
ich weiter.
Mittlerweile ist es Mitternacht nach deutscher Zeit und nach russischer sogar schon 2 Uhr. Das erste Hotel in Smolensk, zu dem mich ein freundlicher Taxifahrer lotst ist natürlich zu. Also fahre zurück zur Schnellstrasse an der das 2te Hotel auf meiner Liste liegt. Und die haben sogar noch auf. Ich haue mich in die Falle und mache das Licht aus, und noch bevor die Lampe kalt ist schlafe ich. |
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| Mittwoch,
18.4 . Neuer Morgen, neues Glück: es regnet. Gott sei Dank nicht in strömen, aber die Strasse ist nass und entsprechend dreckig. Etwas macht mich nervös: Über Nacht ist mein Motoröl scheinbar mehr geworden. Komisch. Noch etwas fällt mir auf: Beim Beschleunigen qualmt das Moped wie ein alter Ural LKW. Ich telefoniere mit meinem Händler, erkläre die Situation und hoffe auf Hilfe. 2 Stunden später ruft er zurück: Entweder schlechter Sprit oder die Entlüftung vom Tank ist zu, aber auf jeden Fall muß frisches Öl auf den Motor. Nachmittags um 3 Uhr erreiche ich Obninsk, pünktlich um im Hotel Einzuchecken und an der Ausstellerparty teilzunehmen. Man muss sich vorstellen, wer an dieser Party teilnimmt: Jede Menge Professoren von allen möglichen Uni`s, Aussteller und die Mitglieder des Instituts in Obninsk. Ich erwarte eine eher „trockene“ Veranstaltung. Die Tische sehen Folgendermaßen aus: Gedeckt ist für 16 Personen, dazu diverse Salate und etwas Fisch, einige Softdrinks und 6 Flaschen Wodka!! für 16 Leute!! Der Hit ist, das der Wodka nicht gereicht hat. … und wieder eine Nacht in der ich schlafe wie ein Stein. |
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Da wäre dann noch das Problem mit meinem Motoröl. Ich habe gestern Abend mit Anatoly einen Motorradhändler gefunden, bei dem ich heute das Öl kaufe. Das klappt soweit auch ganz gut, aber wo kann ich das Öl tauschen? Nach guter russischer Sitte das alte in den Strassengraben laufen lassen ist mir nicht sympathisch. Also frage ich den Händler, der telefoniert und nach 5 min. ist jemand da, der mir den Weg zu einer Werkstatt zeigt ( jung, hübsch, weiblich J ). Dort angekommen fange ich an, das Moped zu zerlegen und nach 3 min. hat sich eine kleine Gruppe Interessierter um mich gebildet. Mittlerweile ist auch Anatoly eingetroffen und redet mit den Leuten, die Unterhaltung wird zunehmend lockerer und witziger. |
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Der Besitzer der Werkstatt, Anton, zeigt mir dann noch seinen Ural-Umbau ( mit selbstgemachter superschöner 16 Zoll Blumenkohlfelge hinten). Dann ging’s noch mit Anatoly und Leonid essen; anschließend noch 2 Bier und ab ins Bett. |
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Freitag, 20.4.
Ein weiterer Tag in Obninsk. Das Highlight heute ist eine „Bier-Party“ bei Anatoly. Sein Büro liegt in einem Industriepark , in dem die größte Firma Messgeräte für Nuklearanlagen herstellt. Keine Chance, da als Ausländer reinzukommen. Daher hat Anatoly seine Mitarbeiter zu sich nach Hause eingeladen, damit ich alle kennenlernen kann. Es gibt jede Menge zu essen (… und natürlich zu trinken) und im Laufe des Abends wird der Mix aus Englisch, Russisch und wilden Gesten deutlich lauter. Eigentlich wär’s ein schöner Tag gewesen, wenn nicht irgendjemand mittags mein Handy mit der russischen SIM-Karte geklaut hätte |
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Samstag, 21.4.
Abfahrt nach Rostov. Geschätzte 1.100km liegen vor mir, also 2 Tagesetappen. Es ist lausig kalt, nur 1-3°C, und irgendwie fliegt hier komisches weißes Zeug durch die Luft: Schnee! Zwischendurch entwickelt sich das Wetter zu einem netten kleinen Schneesturm, der aber Gott sei Dank nicht lange dauert. Bei meiner Mittagspause spricht mich ein LKW Fahrer an, den ich vormittags überholt habe. Er fragt mich nach meinem weiteren Weg, und gibt mir ein paar Tipps für Hotels in der Nähe von Voronezh und weiter südlich. Ich bedanke mich mit einer Schmerztablette, weil ihm vor Zahnschmerzen fast die Tränen in den Augen stehen. |
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Um 7 Uhr abends finde ich ein Hotel in Pawlosk. Relativ neu, sauber, billig und mit einem geschlossenen Innenhof, in den ich das Moped fahren darf. Perfekt. Ich unterhalte mich fast den ganzen Abend mit dem Security-Man des Hotels. Er ist vor 5 Jahren aus der Armee ausgeschieden und hat sich, wie üblich, mit der Abfindung ein Auto gekauft. Jetzt arbeitet er hier im Hotel für ganze 100Euro im Monat. Ich frage ihn, ob man mit 4 Personen davon leben kann und er antwortet: „Eigentlich Nein, aber es muss gehen“ Er träumt davon, zur Polizei zu gehen, denn da verdient man schließlich 250 Euro. Er passt auf das Moped auf und weckt mich morgens sogar. Ich habe nichts, womit ich mich bedanken könnte und gebe ihm morgens 10 Euro als Geschenk für seine Kinder. |
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Sonntag, 22.4
Schlappe 350km, da bin ich mittags schon in Rostov. Das von Anatoly gebuchte Hotel entpuppt sich als Bettenburg, aber immerhin ist es einigermaßen preiswert und relativ neu renoviert. Ich fahre ein bisschen durch Rostov und schreibe eine SMS an Michael, einen Motorradfahrer aus Rostov, den ich über ein Forum kennen gelernt habe. Er kommt abends zum Hotel um mich zu treffen. Die Chemie passt, und er lädt mich spontan zur Geburtsparty eines Freundes ein. Und, lieber Leser, was erwartet mich? Na klar, Bier und Wodka in rauen Mengen, 5 Leute die schon seit nachmittags feiern und die gewohnte Unterhaltung in Russenglisch. Ich halte mich beim Trinken stark zurück, die russische Polizei kennt da keinen Spaß. |
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Montag, 23.4.
Heute ist Problemlösungs-Tag: Nr. 1 Ich brauche eine neue russische SIM Karte mit Roaming Funktion. Eigentlich kein Problem, ein Spaziergang in die Stadt, 1000 Rubel zahlen und die Welt ist wieder in Ordnung. Tag Nr 2. Das Hotel in Obninsk hat meinen Pass nicht registriert. Das muss laut einem brandneuen Gesetz innerhalb von 3 Tagen passieren aber viele speziell kleine Hotels wissen das einfach nicht. Ich bin jetzt schon 6 Tage in Russland und muss mich deswegen einem Frage und Antwort Spielchen unterziehen. Der Typ verspricht zu tun, was er kann, und tatsächlich habe ich abends meine Registrierung ( …und hat nicht einmal was gekostet ) |
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Nr 3. Immer noch das Moped. Das Öl ist schon wieder mehr geworden und die Aprilia hat jetzt schon typische russische Laster angenommen: Saufen und rauchen. Ich
fahre erst zu BMW, die wollen / können mir aber nicht helfen.
Ich spreche mit einer jungen Frau, die perfektes Englisch spricht.
Ich frage, wo sie das gelernt hat, und sie erzählt das sie
studiert hat und Lehrerin werden wollte. Die Bezahlung ist aber
so schlecht, dass sie jetzt als Sekretärin bei einem Autohändler
arbeitet. Verrückte Welt. Immerhin schickt sie mich zu einem
Motorradhändler, der auch Polaris Quads verkauft. Genau, die
mit den Rotax Motoren, wie in meiner Aprilia. Der Mechaniker ist
wirklich kompetent, gibt alles, aber findet den Fehler nicht. Man
braucht das Aprilia Diagnose– und Programmiergerät,
anders ist meinem Gefährt nicht zu helfen. |
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| Dienstag,
24.4 . Heute ist mal wieder Messe-Tag. Von 9 – 17 Uhr bin ich am Stand, bevor ich zum Hotel zurücklaufe. Mischa und „Birn“ holen mich ab und wir machen eine Tour zu den Sehenswürdigkeiten von Rostov. Am Zirkus Treffen wir uns mit Akana, die meine Einträge in Mischa`s Forum auch gelesen hat und mich unbedingt treffen will. Sie ist Motorradfan, hat aber kein Geld, selbst eines zu fahren. Wir laufen eine Stunde zusammen durch die Stadt, bis sie wie angekündigt nach Haus zu ihrer kleinen Tochter muss. Mittlerweile haben wir auch „Old Biker“ getroffen, mit Vornamen ebenfalls Michael. Zusammen klappern wir noch das eine oder andere Denkmal ab und fahren dann zu Birn nach Haus, wo mein Moped bis Samstag stehen soll. Wir trinken noch einen Kaffee zusammen, schwatzen über Gott, die Welt und im speziellen russische Politik bevor Mischa mich zum Hotel bringt. |
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Mittwoch, 25.4. bis Freitag, 27.4.
Morgens bin ich noch auf dem Kongress in Rostov, fliege aber am Nachmittag nach Moskau. Das Moped steht in der Zwischenzeit in Rostov bei Birn. Eigentlich habe ich dabei ein gutes Gefühl, trotzdem frage ich mich so 2 bis 7 mal am Tag: „Ob das Moped Samstag wohl noch da ist ?“ Ich treffe Larissa im Hotel, die schon 3 Stunden auf mich wartet, weil man sie ohne Vorauskasse nicht einchecken will. Die Frage, ob das Moped wohl noch da ist, wird zunehmend ein „running Gag“.Wir sind 2 Tage auf der Elektronikmesse in Moskau, können sogar meine gestohlene russische Sim-Karte erneuern ( das Guthaben bleibt erhalten und : Der Service ist kostenlos !?!) Russland überrascht mich immer wieder.Leider scheitern wir ein weiteres Mal an der Besichtigung des Fersehturms. Aber irgendwann wird es klappen!! Der Rest der 3 Tage ist mehr oder weniger trockenes Geschäft und passt eher in ein Memo an meinen Chef als in dieses Reisetagebuch. |
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Samstag, 28.4.
Ob mein Moped wohl noch da ist ? Wir fahren wieder einmal Taxi, diesmal zum Flughafen. Taxi oder Kleinbus fahren ist hier einigermaßen abenteuerlich. Mein Geschwindigkeitsrekord (innerorts) nachts liegt bei 140 km/h, tagsüber (heute) bei 120 km/h . Sicherheitsabstände werden in cm gemessen, und die Einteilung einer Straße in z.B. 3 Spuren macht man nur, weil`s so schöner aussieht. 5 Autos nebeneinander sind nicht selten. Positiv ausgedrückt, ist der ganze Verkehr hier hochdynamisch, nichts für schwache Nerven.Beim Warten auf`s Gepäck in Rostov unterhalte ich mich mit dem Leiter des Rostover Büros eines deutschen Kunststoffherstellers. Interessant, wie hier die Geschäfte im Baugeschäft laufen. Sein Fahrer bringt mich zum Hotel und wir versprechen einander, in Verbindung zu bleiben.Abend treffe ich mich mit Mischa und Birn und holen mein Moped (es ist noch da J) und Birns Frau ab. Es gibt einige Motorradfahrertreffpunkte in Rostov, zu denen wir fahren. Man sieht dort neben den Russenmopeds vor allem fette Chopper. Neben vielen interessanten Gesprächen und natürlich einem Bier gibt es als Knabberei getrockneten Fisch. Wenn man die Tüte aufreißt, fällt man fast um, so fischig riechen die kleinen Dinger, aber zum Bier passen sie perfekt. Es macht Spaß, ohne Helm durch den lauen Abend zu fahren. |
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Sonntag, 29.4. |
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Theatralisch ausgedrückt: die Straße hat mich wieder. Und wie: 20°C, Sonnenschein, die Strasse ist gut und mein Moped läuft wieder. Wie schon geschrieben, schien das Reinigen Einspritzdüsen nicht erfolgreich gewesen zu sein, aber nach dem letzten Tanken läuft das Moped einwandfrei. Sollte ich wirklich schlechten Sprit mit Diesel erwischt haben? Die Devise ist: Weiterfahren und beobachten. Ich komme zügig voran und genieße, wie die bis hierhin langweilige Landschaft immer schöner und hügeliger wird. Auf meinem Weg nach Kawkas fahre ich über eine Landzunge, auf der man auf der rechten Seite das Asowosche Meer und auf der Linken das Schwarze Meer sieht. Grandios. In Kawkas fahre ich zum Fährhafen, zahle 13€ für die Überfahrt und erledige die Zollformalitäten auf der russischen Seite. Als das Boot nach Kertsch übersetzt geht die Sonne unter und ein schöner Tag geht zu Ende. |
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Um von einem schrecklichen Abend abgelöst zu werden. Der ukrainische Zöllner ist gut gelaunt, fragt wo ich war und meint daß ich sicherlich nur Touristengepäck dabei habe. Dann fragt er allerdings nach der Erlaubnis meiner Frau ( … das Motorrad ist auf ihren Namen angemeldet), das ich das Moped fahren darf. Hab ich nicht schriftlich, nur mündlich J. Er geht zu seinen Chef, und der schickt mich zur Fähre zurück! Wie bitte ? Ich darf nicht einreisen , weil ich eine notariell bestätigte Urkunde brauche, daß ich das Fahrzeug bewegen darf. Ich versuche ihm klarzumachen, daß ich nicht zurückkann, da ich kein weiteres Visum für die Rückfahrt durch Weißrussland habe. Das ganze Hin und Her geht 2 Stunden, ein freundlicher englisch sprechender Ukrainer versucht zu helfen, ich rufe mehrfach den Notdienst der Botschaft an aber nichts hilft. Immerhin ist dem Grenzer klar, daß ich freiwillig nicht nach Russland zurückfahre. Er telefoniert einige Male und bietet mir dann an, daß ein Fax von einem Rechtsanwalt helfen würde, aber auf jeden Fall auf einem Kopfbogen mit Stempel. Ich rufe zuhause an, aber auch privat ist mein Anwalt nicht zu erreichen. Der letzte Ausweg: Die Jungs sprechen alle weder englisch noch deutsch. Meine Frau schreibt also irgendwas auf einen Firmenkopfbogen, unterschreibt unleserlich und faxt das ganze dann durch. Nach einigen „ …ich komme dafür nicht ins Gefängnis !“ faxt sie das Papier dann wirklich zum Zoll. Der Zollbeamte kommt damit aus seinem Büro und bemängelt, daß kein Stempel drauf sei, aber sein Chef habe unterschrieben und gibt mir meine Papiere. Helm, Handschuhe, Moped an und weg. Das war knapp !!! Es ist mittlerweile 2 Uhr und in Kertsch angekommen checke ich im empfohlenen Hotel ein: eine Katastrophe! Es stinkt und man mag nichts berühren; das Badezimmer möchte ich nicht weiter beschreiben. Das erste Mal im Leben schlafe ich auf einem Bett mit angezogener Motorradhose und meiner Jacke als Kopfkissen. Morgens um 6 Uhr wache ich auf, lasse das Frühstück ausfallen fahre los. |
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Montag, 30.4.
Auf meinem Weg nach Sewastopol sehe ich in Feodosia am Straßenrand einen Chopper mit russischen Seitenventilmotor. Der Fan in mir kann da so nicht dran vorbeifahren, also halte ich an. Unglaublich: Doppelzündung, E-Starter, verlängerter Rahmen, selbstgemachte Räder und viele tolle Details. Der Besitzer, Oleg, hat mich mittlerweile entdeckt und erklärt mir seinen Umbau (… natürlich in russisch, aber eine Freundin studiert englisch und übersetzt mir alles. Von solchen Zufällen lebe ich im Moment.). Noch mal unglaublich: Das teuerste an seinem Motorrad sind die Metzler Reifen! Wir trinken noch einen Kaffee zusammen bevor die beiden mir den Weg zur Schnellstrasse zeigen wollen. Auf dem Weg dahin gibt die russische Zündung auf und da Oleg darauf besteht, sein Moped allein nach Haus zu schieben, bringe ich Margarita nach Haus und mache mich dann auf den Weg nach Sewastopol. |
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Die Krim ist toll: fast eine mediterrane Landschaft mit kurvigen Strassen und kleinen Dörfern. Ausserdem läuft das Moped nach wie vor Top und ich muss nicht mehr so oft an das Hotel von letzte Nacht denken. Es juckt auch nicht mehr so ;-) . Das Hotel in Sewastopol ist gut, preiswert und mit dem obligatorischen „Secure Parking“. Auf meinem Weg, mir die Stadt anzusehen, fällt mir auf: Das ist der erste Abend, an dem ich pünktlich angekommen bin und ich alleine durch die Gegend ziehe. Erstaunlich, nach 2 Wochen die ich nun unterwegs bin. |
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Dienstag, 1.5. Über die Küstenstrasse (Aussicht toll, Asphalt furchtbar ) geht`s zurück nach Simferopol. Der Tag der Arbeit wird in einem ex-sozialistischen Land so begangen: morgens Demo, abends Party! Deswegen ist der Tag danach auch ein landesweiter Feiertag. Auf meinem Weg nach Odessa gibt`s zwischendurch mächtig Regen und die schlechte Strasse macht mir stellenweise wirklich zu schaffen. Das Umrunden der riesigen Schlaglöcher, Gullydeckel, die 15cm tiefer als der Belag sind und Teerflicken ohne Ende drücken mein Tempo stellenweise auf 40km/h. Kurz vor Odessa treffe ich auf eine Gruppe Motorradfahrer, die Pause machen und sich auf meine Frage nach einem preiswerten Hotel sofort bereit erklären, mir etwas zu zeigen. |
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Es ist eine Ferienanlage
direkt am schwarzen Meer und mit 28€ dazu preiswert.
Um 9 Uhr treffen wir uns wieder und ich bekomme Odessa bei Nacht gezeigt. Super gut. |
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Mittwoch, 2.5.
Alexeji zeigt mir Odessa bei Tag; all die touristischen Highlights, sein Stammcafe und einen Markt. Ich kaufe noch ein Mitbringsel und wir trinken noch den üblichen Kaffee, dann mache ich mich auf den Weg nach Vinnitsa. Das ist eine Verbindungsetappe, erst 250km wunderbare Autobahn und dann 150km die bekannte gruselige Landstasse. Die Frage nach der Hotelsuche stellt sich nicht, Alexeji hat telefoniert und seine Freunde nehmen mich in Empfang und bringen mich zu meiner Unterkunft. |
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Donnerstag, 3.5
+ Freitag, 4.5.
Ich habe noch 3 Tage Zeit und rund 2000km vor mir, davon den größten Teil als Landstraße. Irgendwie ist die Ukraine, abgesehen von der Krim, nicht mein Land. Die Straßen sind unglaublich schlecht, und egal wo ich anhalte, ist die erste Frage immer, was mein Moped wert sei. Einige Male beschließe ich, doch nichts zu essen, sondern direkt weiterzufahren, weil die Gruppe komischer Gestalten zu groß wird. Das ist mir in Russland nie passiert. Ich habe auch die ersten Vibrationschäden zu beklagen. Das Frühstücksbrettchen hat sich mit der Butterdose angelegt: Die Butterdose hat verloren. Die Grenze nach Polen ist nach meinen bisherigen Erfahrungen ein Kinderspiel, ich werde nur mehrfach gefragt, wie viel Bargeld ich dabei habe. In Polen werden zu allererst mal die Straßen erheblich besser, und ich nutze den späten Abend, um einige schnelle Kilometer zu machen, bevor am nächsten morgen die Straße wieder den LKW`s gehört. |
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| Wieder in Deutschland fällt mir zuerst auf: Wie sauber und aufgeräumt hier alles ist! Die Autobahnen sind wie gebügelt und man kommt unglaublich schnell voran. Habe ich in der Ukraine auf der Landstraße für 400km einen ganzen Tag gebraucht, so sind es hier nur 5 Std. Abends übernachte ich im Sormitzblick in Leutenberg, ein Motorradfahrerhotel, in dem ich schon oft war. Es ist schon ein bisschen wie nach Hause kommen. Keine Frage, das Motorradfahren macht auf den kurvenreichen, bestens ausgebauten Strassen im Thüringer Wald mehr Spaß als in der Ukraine. | |||||||||||
| Samstag, 5.5. Ab nach haus! Das Moped kennt den Weg quasi allein, und ich habe Zeit, über die letzten 3 Wochen nachzudenken. Ich hätte nie gedacht, dass eine Reise allein so kurzweilig sein kann. Die Menschen in Russland sind so offen auf mich zugekommen, wie ich es noch nie erlebt habe. Ich habe einige gute Kontakte geknüpft und habe nie Angst um mich oder das Moped gehabt. Jeder war hilfsbereit, und interessanterweise kennt jeder jemanden der englisch oder deutsch spricht. Ich habe auch nie wirklich Neid erlebt, obwohl viele Leute dort in sehr bescheidenen Verhältnissen leben. Die Panne mit dem Seitenwagenanschluss muss ich noch mit dem Gespannbauer diskutieren. Die Geschichte mit der Benzinqualität war mir völlig neu, den Russen aber bekannt. Die Anfahrt über Weißrussland ist OK, die Rückfahrt durch die Ukraine war nervig. Vielleicht kann man sich das ersparen, wenn man mit dem Autoreisezug in die Türkei fährt, weiter mit dem Schiff über das Schwarze Meer und dann….. |
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©Text
und Bilder sind Eigentum von Michael
Taake
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